Simona Prášilíková,
Van Leeuwen, Vyškov, Tschechische Republik
Im Zuge der Erholung des Stahlmarkts und des weltweiten Wirtschaftswachstums hat sich auch die Nachfrage nach unseren Produkten erhöht. Darauf müssen sich unsere Lieferanten nach einer Phase des Rückgangs nun einstellen. Wir arbeiten gemeinsam mit ihnen an proaktiven Lösungen, um längere Lieferzeiten und Engpässe in den Lagerbeständen für unsere Kunden zu vermeiden. Das ist unsere wichtigste Rolle als Schaltstelle zwischen unseren Kunden und dem Rohrhersteller.
Als Einkaufsleiterin bei Van Leeuwen Tschechien bin ich für die Beschaffung des Rohrmaterials sowohl für unsere lokalen Lager als auch für Großaufträge verantwortlich, bei denen die Kunden direkt vom Stahlwerk aus beliefert werden. In Zusammenarbeit mit der Einkaufsabteilung beobachte ich täglich sorgfältig den Markt und die Entwicklung der Kundenwünsche. Die enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten, an die wir unsere Erkenntnisse weitergeben, ermöglicht es uns, die besten Geschäfte abzuschließen und Lieferengpässe zu vermeiden.
Im Zuge der Krise der vergangenen Jahre haben viele Stahlwerke ihre Produktion heruntergefahren und entsprechend auch ihre Belegschaft reduziert. Darum sind sie jetzt nicht immer in der Lage, die rasant steigende Nachfrage nach Stahlprodukten zu bedienen. Mit der Folge, dass die Lieferzeiten länger werden. Zeitweise kommt es sogar zu einer Materialknappheit, die die Preise in die Höhe treibt. Dies komplexe Situation betrifft die gesamte Branche und wird voraussichtlich noch eine Weile andauern. Das ist einer der Aspekte, die meine Arbeit so interessant machen.
Ich spreche fast täglich mit unseren Lieferanten und informiere mich sorgfältig über die Entwicklungen bei ihnen. Wenn möglich kontaktiere ich auch neue Lieferanten, was allerdings weniger einfach ist als es klingt. Der europäische Stahl- und Rohrmarkt konsolidiert sich, und infolge von Übernahmen wird die Zahl der Lieferanten immer kleiner. Natürlich suchen die Stahlwerke auch nach Möglichkeiten, ihre Kapazitäten zu erweitern. So steigen sie beispielsweise auf die Produktion größerer Chargen um, weil das effizienter ist. Das macht sie allerdings weniger flexibel. Für uns als Händler bietet das neue Möglichkeiten. Unsere vielen Lagerstandorte in Europa fungieren als Pufferspeicher, aus denen sich längere Zeiträume zwischen der Lieferung von zwei Chargen überbrücken lassen. Dadurch können wir unseren Kunden trotz allem kurze Lieferzeiten bieten!
Ich erwarte, dass die Weltwirtschaft – und damit auch die Nachfrage nach Stahl – weiter wachsen wird. Zugleich wird das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage aber durch Protektionismus bedroht. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür sind natürlich die Importzölle, die Donald Trump in den USA auf Stahlprodukte verhängt hat. Als Reaktion darauf hat Europa ebenfalls Antidumpingmaßnahmen ergriffen, denn es wird befürchtet, dass die enormen Mengen chinesischen Stahls, die nun nicht mehr in den USA abgesetzt werden können, sonst den europäischen Markt fluten. Ein positiver Nebeneffekt dieser künstlichen Stabilität ist, dass die Investitionsbereitschaft der europäischen Stahlwerke wieder steigt.
Insgesamt erwarte ich, dass sich unsere Branche positiv entwickelt. Unsere Funktion als lagerhaltender Händler ist wichtiger denn je. Indem wir stetig an guten Beziehungen mit unseren Lieferanten arbeiten, können wir Tausende von Kunden beim Bau ihrer Maschinen, Tragwerke, Rohrleitungssysteme und anderen Anwendungen unterstützen. Und indem wir schon früh in der Entwurfsphase mit unseren Kunden zusammenarbeiten, können wir ihnen helfen, ihre Produktionsprozesse zu verbessern. Unsere Kenntnisse der Möglichkeiten, die uns die Stahlwerke bieten, ist die Basis dafür!